Die erste Juniwoche war geprägt von einer massiven regulatorischen Aktivität, die eine tiefgreifende Neuausrichtung der EU-Handelspolitik signalisiert. Einerseits kam es durch das Auslaufen langjähriger Antidumpingzölle auf Chemikalien und Fischereierzeugnisse zu einer erheblichen Handelsliberalisierung. Andererseits verschärfte die EU gezielt die Kontrollen im Eisen- und Stahlsektor mit einer nuancierten Strategie aus neuen Schutzmaßnahmen und vorteilhaften Zollkontingenten für ausgewählte Partner, während im Kunststoffsektor ein neues Verfahren gegen chinesische Importe eingeleitet wurde.

Die Woche in Kürze

Die erste Juniwoche war von einer außergewöhnlich hohen Regelungsdichte geprägt, die eine strategische Neuausrichtung der EU-Handelspolitik widerspiegelt. Mit über 3.400 erfassten Änderungen, von denen mehr als 2.600 auf Handelsschutzmaßnahmen entfielen, zeigte die Woche eine doppelte Bewegung: Einerseits eine deutliche Handelsliberalisierung durch das Auslaufen zahlreicher langjähriger Antidumpingzölle zum Monatsbeginn. Andererseits eine gezielte Verschärfung der Einfuhrkontrollen, die sich vor allem auf den Eisen- und Stahlsektor konzentrierte, aber auch neue Zollkontingente für Düngemittel und ein neues Verfahren im Kunststoffsektor umfasste. Die überwältigende Mehrheit der Maßnahmen trat zu Beginn der Woche in Kraft, was den 1. Juni zu einem entscheidenden Stichtag für Importeure machte.

Was am wichtigsten war

Unter der Flut von Anpassungen stachen drei Entwicklungen besonders hervor:

  1. Auslaufen bedeutender Antidumpingmaßnahmen: Zum 1. Juni liefen mehrere wichtige Antidumpingzölle aus, was eine erhebliche Liberalisierung für bestimmte Warenströme bedeutet. Betroffen waren unter anderem Regenbogenforellen (Art Oncorhynchus mykiss) aus der Türkei, Adipinsäure (2917120010) aus China sowie Butylacrylat und 2-Ethylhexylacrylat (2916120015) aus den USA, China, Saudi-Arabien und Südafrika.

  2. Nuancierte Strategie im Stahlsektor: Der Eisen- und Stahlsektor (Kapitel 72 und 73) stand im Zentrum der regulatorischen Aktivität. Die EU verfolgte hier eine differenzierte Strategie: Während neue Handelsschutzmaßnahmen für Gitter und Geflechte aus China und der Türkei sowie neue Auflagen für Schrauben aus China (73181542, 73181548) die Einfuhr erschwerten, wurden gleichzeitig neue Zollkontingente mit einem Zollsatz von 0 % für eine breite Palette von flachgewalzten Stahlerzeugnissen aus Südkorea (Kapitel 7210, 7212) eröffnet. Dies deutet auf eine gezielte Steuerung der Lieferketten hin, anstatt auf pauschalen Protektionismus.

  3. Neues Verfahren bei Kunststoffen: In der Kunststoffbranche wurde ein neues Verfahren eingeleitet. Am 4. Juni wurde eine Untersuchungs- oder Registrierungspflicht (Information I2964/26) für aliphatisch-aromatische Copolyester (PBAT) aus China (3907998050) eingeführt. Bereits einen Tag später folgte die Einführung eines neuen Zollsatzes von 6,5 % für dieselbe Warengruppe aus allen Ursprungsländern, was auf eine schnelle Reaktion der Regulierungsbehörden hindeutet.

Zu beobachtende Entwicklungen

Die Ereignisse dieser Woche werfen ein Licht auf mehrere sich entwickelnde Handlungsstränge, die für die kommenden Wochen relevant sind:

  • Stahlmarkt im Wandel: Die hohe Dynamik im Stahlsektor wird anhalten. Insbesondere die für den 1. Juli 2026 angekündigten Änderungen bei den Antidumpingzöllen auf bestimmte warmgewalzte Stahlerzeugnisse aus der Türkei werden die Wettbewerbsbedingungen weiter verändern.
  • Saisonale Anpassungen im Agrarsektor: Eine Welle von 35 zukünftigen Maßnahmen für Obst und Gemüse (Kapitel 7 und 8) wurde geladen. Dies ist ein klares Signal für bevorstehende routinemäßige Anpassungen der Einfuhrpreise, die in den kommenden Wochen und Monaten wirksam werden und eine genaue Beobachtung erfordern.
  • Handelsschutz bei Kunststoffen: Die schnellen Maßnahmen gegen Copolyester-Importe könnten der Beginn einer umfassenderen Untersuchung sein. Unternehmen, die mit diesen oder ähnlichen Polymeren aus China handeln, sollten die Entwicklungen genau verfolgen, da dies zu endgültigen Antidumpingzöllen führen könnte.

In Zahlen

Änderungsdatensätze nach Art Änderungsdatensätze nach Art Woche vom 31.05.2026 bis 06.06.2026 · EU TARIC Änderungen der Gültigkeit 1,984 Änderungen des Geltungsbereichs 408 Auslaufende Maßnahmen 380 Änderungen der Zollsätze 304 Neue Anforderungen / Auflagen 257 Neue Maßnahmen 140 Jeder Datensatz ist eine eigene Änderung auf Maßnahmenebene, erfasst in dieser Woche. Änderungsdatensätze nach Kategorie Änderungsdatensätze nach Kategorie Welche Art von Regel sich geändert hat Handelsschutz (Antidumping/Antisubven… 2,664 Kontrollen 397 Zollkontingente 151 Einheitenänderungen 88 Sonstige 64 Präferenzsätze 43 Zollaussetzungen 41 Zölle 25 Handelsschutzaktivität nach Ursprung Handelsschutzaktivität nach Ursprung Warenpositionen, die von Antidumping-/Antisubventions-/Schutzmaßnahmen betroffen sind China 52 Alle Länder 37 Türkei 34 Weißrußland 4 Russische Föderation 4 Taiwan 3 Usbekistan 1 Vietnam 1 Zählt eindeutige Warennummern je Ursprung, erfasst in dieser Woche. Am stärksten betroffene Warenkapitel Am stärksten betroffene Warenkapitel HS-Kapitel mit den meisten Änderungsdatensätzen Waren aus eisen oder stahl 2,339 Verschiedene erzeugnisse der chemisch… 189 Eisen und stahl 167 Fische und krebstiere, weichtiere und… 122 Geniessbare früchte und nüsse; schale… 79 Düngemittel 66 Organische chemische erzeugnisse 64 Fleisch und geniessbare schlachtneben… 43